
Wer auf offener See in Not gerät, hat oft ein Problem: Das Smartphone liegt unter Deck, hat keinen Empfang oder ist bereits über Bord gegangen. Mit der seit wenigen Wochen erhältlichen Garmin quatix 8 Pro will der US-Hersteller dieses Schreckensszenario entschärfen.
Ich habe mir die Spezifikationen der neuen Marine-Smartwatch, die seit Mitte Januar auf dem Markt ist, genau angesehen. Das Versprechen: Unabhängigkeit vom Smartphone durch integrierte Satelliten-Technik. Doch ist das Feature den stolzen Preis von knapp 1.300 Euro wert?
Der Sicherheits-Check: inReach trifft LTE
Das Herzstück meiner Analyse ist die Kommunikationstechnologie. Die quatix 8 Pro ist die erste ihrer Art, die inReach-Satellitentechnologie und LTE in einem 47-mm-Gehäuse vereint. Bisher mussten Segler und Offshore-Angler dafür ein separates Handgerät (wie das GPSMAP 67i) mitschleppen. Jetzt wandert die Sicherheit direkt ans Handgelenk.
So funktioniert das System in der Praxis: Die Uhr entscheidet intelligent je nach Verfügbarkeit:
- LTE-Verbindung: In Küstennähe (laut Garmin teils bis zu 80 km, abhängig von Masten) laufen Sprachanrufe und Live-Tracking über das Mobilfunknetz.
- Satelliten-Verbindung: Reißt das LTE-Signal ab, schaltet die Uhr auf das Iridium-Satellitennetzwerk um. Damit sind Textnachrichten und Standort-Check-Ins weltweit möglich – völlig ohne gekoppeltes Smartphone.
Für mich ist die SOS-Taste das entscheidende Kaufargument. Im Notfall verbindet die Uhr direkt mit Garmin Response, der internationalen 24/7-Rettungsleitstelle. Die Tatsache, dass ich eine Rettungsaktion auslösen kann, während ich im Wasser treibe und mein Boot davonfährt, rechtfertigt für viele Skipper bereits den Anschaffungspreis. (Wichtiger Hinweis: Für diese Funktionen ist ein aktives Abonnement zwingend erforderlich.)

Der „Bootsmodus“: Endlich Fokus am Steuerstand
Neben der Sicherheit hat Garmin an der Usability gefeilt. Ein Kritikpunkt an früheren Multisport-Uhren war oft die Überfrachtung mit Funktionen, die man an Bord nicht braucht. Die quatix 8 Pro führt einen automatischen Bootsmodus ein.
Meine Beobachtung: Sobald dieser Modus aktiv ist, verdrängt die Uhr Schrittzähler und Schlafanalysen in den Hintergrund. Stattdessen erscheinen Apps zur Steuerung des Autopiloten, des Fusion-Audiosystems oder des elektrischen Trolling-Motors. Das Interface passt sich dem Kontext an. Ich sehe das als logischen Schritt: Wer am Steuerstand steht, braucht die volle Kontrolle über die Bordelektronik, keine Info über den Kalorienverbrauch.
Hardware und Ausdauer
Trotz des energiehungrigen 1,4 Zoll AMOLED-Displays (welches dank Saphirglas und Titanlünette extrem robust verpackt ist), gibt Garmin eine Akkulaufzeit von bis zu 15 Tagen im Smartwatch-Modus an. Im GPS-Modus sind es bis zu 44 Stunden. Das reicht locker für einen Wochenend-Törn inklusive Nachtfahrt, ohne dass man nach dem Ladekabel suchen muss.
Zusätzlich bietet die Uhr die bekannte Palette an Gesundheits-Features (HRV, Schlaftracking) und Sport-Apps von Golf bis Stand-up-Paddling. Ein nettes Detail für den Alltag: Dank Mikrofon und Lautsprecher sind Sprachbefehle und Telefonate möglich – sofern man doch mal wieder in Bluetooth-Reichweite des Handys ist.
Im Endeffekt
Die Garmin quatix 8 Pro ist weit mehr als ein teures Gadget für Yachtbesitzer. Sie ist eine Lebensversicherung. Mit einem UVP von 1.299,99 Euro ist die Eintrittshürde hoch. Doch wenn man bedenkt, dass sie ein vollwertiges inReach-Satellitengerät und eine High-End-Sportuhr ersetzt, relativiert sich der Preis. Für Solo-Segler, Offshore-Angler und alle, die sich auf dem Wasser nicht auf wackligen Handyempfang verlassen wollen, ist dieses Gerät aktuell alternativlos. Garmin hat die „digitale Nabelschnur“ zum Smartphone erfolgreich durchtrennt.
Andere Artikel: