
Es ist ein Reflex, den viele Technik-Enthusiasten kennen: Man kauft automatisch das Modell mit der höchsten Nummer, weil es „das Beste“ sein muss. Bei der Fritzbox 7690 ist dieser Reflex für viele Glasfaser-Nutzer jedoch ein teurer Irrtum.
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Mit der Fritzbox 4630 steht nun ein Herausforderer bereit, der verspricht, die gleiche Leistung ohne den „Ballast“ eines DSL-Modems zu liefern. Ich habe mir die Platinen-Layouts und Datenblätter beider Geräte genau angesehen. Das Ergebnis meiner Analyse dürfte manchen überraschen, der bereits die teure 7690 im Warenkorb liegen hat.
Bezahlen für Technik, die brachliegt
Der erste Punkt meiner Untersuchung ist wirtschaftlicher Natur. Die Fritzbox 7690 ist ein technisches Wunderwerk für DSL-Anschlüsse. Sie besitzt ein aufwendiges Supervectoring-Modem.
Doch hier ist das Problem: Wenn Sie, wie Millionen andere Haushalte inzwischen auch, einen Glasfaseranschluss mit einem fest installierten Modem (ONT) an der Wand haben, ist dieses Bauteil in der 7690 nutzlos.
Ich nenne das „totes Silizium“. Sie bezahlen einen erheblichen Aufpreis für ein Modem, das Strom verbraucht, Wärme erzeugt, aber keine Daten überträgt. Die Fritzbox 4630 verzichtet konsequent darauf. Sie ist ein reiner Router. Aus meiner Sicht gewinnt die 4630 hier die erste Runde durch reine Effizienz.
Wo die 4630 Federn lassen muss
Jetzt müssen wir tief in die WLAN-Spezifikationen eintauchen, denn hier hat der Hersteller die Unterschiede versteckt. Beide Geräte tragen das Label „Wi-Fi 7“. Beide verzichten – was ich kritisch anmerke – auf das neue 6-GHz-Frequenzband. Aber die PS-Zahl unter der Haube ist anders.
Der Hubraum der 7690
Die 7690 arbeitet mit einer 4×4 MIMO-Konfiguration im 5-GHz-Band. Das bedeutet: Vier Antennen senden, vier empfangen. Das sorgt für eine extrem stabile Abdeckung, selbst wenn mehrere Wände zwischen Router und Smartphone liegen.
Der Sparzwang der 4630
Bei der 4630 wurde auf 2×2 MIMO reduziert.
In meinen Testszenarien mit Wi-Fi 7 zeigt sich folgendes Bild: Solange Sie sich im selben Raum befinden, spüren Sie keinen Unterschied. Die neue Multi-Link-Operation (MLO) sorgt bei beiden Geräten dafür, dass Daten extrem schnell fließen.
Aber: Sobald Sie in den Garten gehen oder zwei Zimmer weiter sitzen, spielt die 7690 ihre physische Überlegenheit aus. Vier Antennen „hören“ Signale einfach besser als zwei. Wer ein großes Haus ohne Repeater abdecken will, ist hier im Vorteil.
Das Patt bei den Anschlüssen

Ein Blick auf die Rückseite zeigt eine interessante Pattsituation, die viele Nutzer übersehen.
- Bei der Fritzbox 7690: Sie hat zwei 2,5-Gigabit-Ports. Aber Vorsicht: Wenn Sie Glasfaser nutzen, müssen Sie einen davon als Eingang (WAN) opfern. Es bleibt also nur ein schneller Port für Ihren PC oder das NAS übrig.
- Bei der Fritzbox 4630: Sie hat einen dedizierten WAN-Port für den Internetzugang. Zusätzlich gibt es einen 2,5-Gigabit-LAN-Port.
Mein Fazit dazu: Das Ergebnis ist identisch. Bei beiden Geräten steht Ihnen am Ende effektiv genau eine 2,5-Gigabit-Buchse zur freien Verfügung. Hier lohnt sich der Aufpreis für das große Modell definitiv nicht.
Der harte Datenvergleich
Damit Sie nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, habe ich die wichtigsten Fakten gegenübergestellt.
| Feature | Fritzbox 4630 (Der Herausforderer) | Fritzbox 7690 (Das DSL-Flaggschiff) |
| Einsatzzweck | Glasfaser (hinter ONT), Kabel (Bridge) | DSL (Direkt), Glasfaser (hinter ONT) |
| Integriertes Modem | Nein | Ja (VDSL / Supervectoring) |
| WLAN Standard | Wi-Fi 7 (ohne 6 GHz) | Wi-Fi 7 (ohne 6 GHz) |
| Antennen-Design (5 GHz) | 2×2 MIMO | 4×4 MIMO (Bessere Reichweite) |
| Netzwerk-Ports | 1x 2,5G WAN + 1x 2,5G LAN | 1x 2,5G (wird WAN) + 1x 2,5G LAN |
| Smart Home | DECT ULE / Zigbee (optional) | DECT ULE / Zigbee |
| Stromverbrauch | Mittel | Hoch (wegen Modem) |
Brauchen wir wirklich 4 Antennen?
Das ist die Gretchenfrage. Die Fritzbox 7690 rechtfertigt ihren Preis heute fast ausschließlich über das Modem und die 4×4-Antennen.
Ich argumentiere jedoch so: In Zeiten von Mesh-Systemen ist die Reichweite eines einzelnen Routers weniger wichtig geworden. Wenn das Signal im Dachgeschoss schwach ist, löst ein Repeater das Problem meist besser als zwei zusätzliche Antennen im Keller.
Mein Urteil
Ich mache es kurz: Wenn Sie keinen DSL-Anschluss haben, ist die Fritzbox 7690 für Sie gestorben.

Der Sieger dieses Vergleichs ist die Fritzbox 4630.
Warum? Weil sie ehrlich ist. Sie verkauft Ihnen keine Hardware (Modem), die Sie nicht nutzen können. Ja, die WLAN-Reichweite ist auf dem Papier etwas geringer als beim großen Bruder. Aber dank der geringen Latenz von Wi-Fi 7 und der identischen Ausstattung an schnellen 2,5-Gigabit-Ports bietet sie im Alltag das deutlich bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.
Lassen Sie das Flaggschiff im Regal. Für den modernen Glasfaser-Haushalt ist die 4630 die smartere Wahl.
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